50 Jahre Sehusafest und seit 32 Jahren ist der „Franzosenstand“ unserer Partnerstadt Carpentras mit dabei. Grund genug sich zu erinnern.
Im April 1993 wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen Seesen und Carpentras unterschrieben. Bereits im November schickte der Club Carpentras eine Standmannschaft auf den jährlichen Markt St. Siffrein in die neue Partnerstadt. Etliche Carpentrasciens halfen den Seesenern, darunter Christian Barry und der in Carpentras lebende Rolf Schümer. Die beiden wurden zu den Architekten und Motoren unserer Stände.

„Am Anfang, damals Mitte der Neunzehnneunziger, als wir die ersten Male mit dem Stand hier auf dem Sehusafest angefangen haben“, weiß Christian Barry zu berichten, „haben die Seesener keinen Wein getrunken. Und auch unsere für die Provence so typische „Soupe au Pistou“, geradezu Symbol für die provenzalische Küche, war ein riesiger Reinfall. Na ja, das mit dem Wein hat sich ja nun gründlich geändert und wir sind immer noch beim Sehusafest mit dabei.“ Rolf Schümer legt noch einen drauf und erzählt eine geradezu unglaubliche Geschichte:“ Als wir nach Seesen fahren wollten, war klar wir müssen provenzalisches Lebensgefühl zum Harz bringen. Carpentras gilt als Garten der Provencence und ist berühmt für sein Obst, Gemüse und Weintrauben. September ist Erntezeit für unsere Muscat Trauben, kleine, aber fast suchterzeugende, unglaublich feinwürzige Trauben, aus denen im nahen Beaumes de Venise ein weltberühmter Süßwein hergestellt wird. Also haben wir unseren Wagen mit Obst und Wein beladen. Dann die Ernüchterung: Wein ging gar nicht und unsere tollen Trauben waren den Seesenern viel zu klein! Sie wollten ordentliche, große Trauben haben.

Was tun? An allen Bratwurst Ständen standen die Menschen in langen Schlangen an, vielleicht sollten wir es mit unseren südfranzösischen Merguez Würstchen versuchen? Allein es gab sie nicht in Seesen, sie waren völlig unbekannt. Der Zufall brachte uns mit dem Seesener Hobby-Piloten Richard König zusammen. Wir fuhren zum Flugplatz Bad Gandersheim und flogen in seiner kleinen, einmotorigen Maschine nach Carpentras. Dort ging es in den nächsten Supermarkt und gut bepackt zurück nach Seesen“. Für die nächsten 10 Jahre gehörten diese „scharfen Würstchen aus der schönen Provence“ zum ständigen Angebot unseres „Franzosenstandes“.

Auf Dauer waren sie den Seesenern aber zu teuer und zu klein, deshalb wurden sie nach dem Erfolg der „filet de canard gras“ im Jahr 2005 aus dem Angebot genommen. Es handelt sich dabei um spezielle Filets von fetten Enten, die normalerweise in Deutschland nicht zu bekommen sind. Diese gebratenen Entenbrüste wurden mit provenzalischem Gemüse serviert, einer Art Ratatouille ohne Tomaten. Sie waren von Anfang an ein Renner. Samstag Mittag war das Fest eröffnet worden und schon gegen 16:00Uhr war klar die Vorräte reichen nicht. Die Tochter von Museumsleiter und Club Carpentras Aktivist Friedrich Orend suchte die Gegend bis Einbeck und Northeim nach Entenbrüsten ab, vergeblich. Seitdem gehören die Entenbrüste neben den Obst- und Käsetellern zum festen Bestandteil des Angebots auf dem Franzosenstand. Ein Stammkunde hat sogar erzählt, dass seine Frau und er nur ihretwegen noch regelmäßig Jahr für Jahr das Sehusafest besuchen.
Dieser Franzosen Stand ist eben aus dem Seesener Sehusa Fest nicht mehr weg zu denken. Im Lauf der Zeit hat er es von einer Randerscheinung in der Rosenstraße zum Festeingang „Am Markt“ geschafft und sich seinen festen Platz bei vielen Besuchern erobert. Er ist die ideale Anlaufstelle um mit unseren französischen Freunden Kontakt aufzunehmen und sich gegenseitig kennen und schätzen zu lernen. Drei Jahrzehnte gelebte Partnerschaft, Völkerverständigung pur.
Dieser Erfolg ist Christian Barry, dem Präsidenten der „Gesellschaft für deutsch-französische Freundschaft“, auf französich „ACFA“ und Alain Craponne, Präsident des „Comité de Jumelage“ in enger Zusammenarbeit mit dem Club Carpentras zu verdanken.
Im Jahr 2017 hat Robert Ascheri Alain Craponne als Präsident und als verantwortlicher Standbetreiber für das „Comité de Jumelage“ abgelöst. Zusammen mit Christian Barry haben die beiden den Stand bis 2019 gemeinsam geführt.
Dann kam der Corona-Lockdown. Seit Neubeginn im Jahr 2022 hat Robert Ascheri den Stand bis 2025 allein geführt.
Dieses Jahr, zum 50 jährigen Jubiläum besucht Robert Ascheri mit einer touristischen Gruppe das Sehusafest als Gast.
Der Sehusastand wird 2026 wieder von Christian Barry betrieben werden. Er kommt aber nicht allein, angesichts des besonderen Anlasses und der Bedeutung im Jubiläumsjahr, wird er von drei Profi Köchen der Köche-Bruderschaft „Disciples d‘Escoffier“ unterstützt. Einige Seesener haben diese Bruderschaft und ihr Können schon auf dem Sommerempfang des Bürgermeisters sowie beim „Salon de Saveurs-der Genießerlounge“ im August 2024 kennenlernen können. Was sich genau hinter diesen Disciples d‘Escoffier“ verbirgt und was wir von ihnen auf dem Sehusafest erwarten können, davon mehr demnächst im Seesener Beobachter. Nur so viel: es wird spannend.
